Hundetraining nach Rezept?

Hilfe, ich habe ein Problem mit meinem Hund! Meist wird man als Hundetrainer erst dann kontaktiert, wenn sprichwörtlich „der Hut brennt“. Weil Tasso immer so ungestüm die Besucher begrüßt oder Gina beim Gassigehen fremde Männer anbellt. Beim genaueren Nachfragen oder spätestens beim ersten Training gibts dann doch noch das eine oder andere weitere Problemchen, das dringend und am Besten schnellstmöglich oder besser gleich sofort behandelt werden soll. Dafür sind Hundetrainer schließlich da. 😉

Teilweise sind die Erwartungen an uns Hundetrainer schwer zu erfüllen, denn: Die schnelle Lösung, nach der oft gefragt wird oder ein Patentrezept, das schlichtweg bei JEDEM Hund funktioniert, gibt es nicht. Bei keinem Trainer. Und wenn es einen gibt, der das verspricht, hinterfrag‘ doch bitte seine Seriosität und Trainingsmethoden. Apropos hinterfragen! Tu‘ das bitte dringend vorab bei der Auswahl des Trainers, weil davon gibt es mittlerweile genug und jedermann kann sich leider auch einfach so nennen. Da es sich um ein freies Gewerbe handelt, kann sich im Grunde genommen JEDER den Gewerbeschein holen – Ausbildungsnachweis wird keiner verlangt. Also bitte immer genau informieren! Denn ein, zwei, drei Kurse oder die Begründung, man sei mit Hunden aufgewachsen und hatte immer welche, machen lange keinen Experten aus – ohne deren Wissen nun zu schmälern! 😉

Freilich arbeite ich im modernen Hundetraining nach gewissen Trainings- und Lösungsansätzen. Hundetraining ist jedoch weit komplexer, als den Kunden zu zeigen, wie sie Bello abrufen oder ihm auf Signal das Sitzen beibringen. Hundetraining ist in erster Linie Beziehungsarbeit zwischen Halter und Hund. Als Trainer steht man dem Mensch-Hund-Team mit Rat und Tat zur Seite, um es individuell zu unterstützen und auf seinem Weg zu begleiten. Individuell, weil jeder – Halter als auch Hund – lernt schließlich anders und darauf gilt es einzugehen. Zwischen der einfachen Vorstellung einen Hund zu haben und sich schließlich im realen Leben auf einen Hund einzulassen, liegen manchmal Welten. Man stellt sich’s anders, mitunter leichter vor und wenn’s mal nicht so läuft wie geplant, dann sollte man sich zumindest im Vorfeld einen Plan B und/oder C überlegt haben. Mit einem Hund zu leben, erfordert eben ein Stück Arbeit und ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein.

Wenn man mich fragen würde, was denn wohl die drei wichtigsten Dinge sind, die man braucht um einen Hund zu erziehen? Liebe, Geduld & Zeit würden mir als Erstes einfallen. Schließlich gibt der Hund immer das Tempo vor! Da können wir Menschen noch so ungeduldig oder ehrgeizig sein. Gerade bei Hunden, die etwa schlechte Erfahrungen gemacht haben, muss man bereit sein um sich Voll und Ganz auf diesen Vierbeiner einzulassen. Den Hund – genau so wie er nun mal ist – anzunehmen, ihn zu lieben und zu umsorgen. Außerdem Verständnis aufbringen, sowie Gespür fürs hündische Gegenüber haben. Man muss unter Umständen auch bereit sein, sein Verhalten zu ändern – eine der größten Hürden für uns Gewohnheitstiere. Doch lässt man sich darauf ein, ist es das Schönste, was man sich nur vorstellen kann. Man bekommt und lernt so viel von diesen schlauen, feinfühligen und liebevollen Lebewesen – Hundemenschen werden mir da zustimmen. 😉

Zum Schluss noch ein kurzes Zitat von Edward Hoagland zum Schmunzeln und Nachdenken: „Freude an einem Hund haben Sie erst, wenn Sie nicht versuchen, aus ihm einen halben Menschen zu machen. Ziehen Sie statt dessen doch einmal die Möglichkeit in Betracht, selbst zu einem halben Hund zu werden.“

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