Ein Hoch auf die Desensibilisierung!

Wir leben in einer Welt, die mit Reizen alles andere als geizt. Mit einer regelrechten Reizüberflutung müssen wir und insbesondere unsere sensiblen Hunde tagtäglich klar kommen. Tun wir das nicht, wirkt sich das auf unser Verhalten und in weiterer Folge sogar auf unsere Gesundheit aus. Unerwünschtes Verhalten des Hundes ist einer der häufigsten Gründe, warum Hundetrainer heutzutage kontaktiert werden. Warum der Hund Fehlverhalten zeigt, hat immer eine Ursache und der gilt es auf den Grund zu gehen. Vielleicht hat es der Hund nie anders gelernt oder er ist lediglich mit einem Auslösereiz konfrontiert, der in ihm ein unbehagliches Gefühl auslöst und er ist damit schlichtweg einfach nur überfordert. Das müssen wir nicht einfach so hinnehmen. Wir können etwas dagegen tun und schrittweise dem Hund beibringen um damit klar zu kommen. Das Zauberwort lautet: Desensibilisierung!

Nur kurz zur Begriffserklärung: Unter Desensibilisierung versteht man die Gewöhnung an bestimmte, wiederkehrende Reize. Der Hund wird also an einen bestimmten Auslösereiz, wie bspw. einem Rasenmäher gewöhnt. Dadurch werden die Reaktionen des Hundes mit der Zeit abgeschwächt oder können sogar komplett ausgelöscht werden.

Gerne möchte ich das anhand eines Beispiels aus der Praxis näher erläutern.

Mein Hund Leo und ich haben nun seit August einen eigenen Garten. Da sich der Rasen nicht von alleine mäht, hab ich einen Rasenmäher gekauft. Nun war da dieses neue Gerät, das beim Auspacken von Leo sofort genauer unter die Lupe genommen und interessiert beschnuppert wurde. Als ich es jedoch über den Rasen schob und dann auch noch startete, brannte bei Leo die Sicherung durch und er stürme auf den Rasenmäher zu um diesen lautstark zu verbellen. Wie ein Irrer rannte er um den neuen Feind in seinem Garten und machte Radau.  Die Zwei musste ich also erst aneinander gewöhnen. Denn ans Mähen in Anwesenheit meines Herrn Wichtig war vorerst nicht zu denken. Trotzdem war ich zuversichtlich, denn wir zwei sind schon ein geübtes Team im Desensibilisieren und würden das schon hinkriegen. 😉

Mit dem laufenden Motor zu starten wäre sinnlos, man kann im Training schließlich nicht mit der schwierigsten Aufgabenstellung beginnen, sondern muss sich schrittweise vorarbeiten. Das bedeutet, dass die Anforderungen auf ein Minimum reduziert werden müssen, so dass der Hund diese auch erfolgreich bewältigen kann.

Gesagt getan. Kurz zusammengefasst schaute unser Training so aus: Leo bekam beim Anblick des Rasenmähers schmackhafte Leckerlis. Auch durfte er die auf dem Rasenmäher liegenden Kekse stibitzen. In weiterer Folge wurde Leo für ruhiges Verhalten beim Angreifen und Schieben des Geräts belohnt. Jede Woche wurde vor und nach dem Mähen ein bisschen geübt. Leo lernte schnell, dass das Ding eigentlich nur Positives brachte: LECKERLIS! Natürlich mähte ich auch den Rasen, sonst hätten wir schon meterhoch das Gras stehen. Alles unter genauester Beobachtung des Hundes, versteht sich. Kontrolle ist besser, könnte Leos Motto sein. 😉 Aus sicherer Entfernung durfte er mir durch die Glasscheibe der Terrassentür zusehen, wenn ich mähte und wurde natürlich auch dafür belohnt.

Dann wurde das Gerät immer wieder gestartet und ausgeschaltet, etwas laufen gelassen und so weiter. Und jedes Mal regnete es Kekse! Was für ein tolles Gerät, dachte sich Leo mittlerweile. Der letzte Schritt war schließlich das Starten, Schieben und somit Mähen in Kombination. Leo hat gelernt, dass er sich nicht aufregen muss, wenn „Helmut der Rasenmäher“ – ja er hat mittlerweile einen Namen – durch seinen Garten kurvt. Im Gegenteil. Wenn ich mit Helmut in den Garten komme, sieht er mich erwartungsvoll an. Ganz im Sinne: wo bleibt meine Belohnung?! Und die kriegt er natürlich auch. Er legt sich sogar mittlerweile hin, wenn ich mähe. In kürzester Zeit glückte die Zusammenführung und der alte Feind ist auf dem besten Weg ein neuer Freund zu werden. Zumindest siehts Herr Hund nun endlich entspannt.

Leo ist kein Wunderwuzi. (Also eigentlich ist er es schon, nämlich MEIN Wunderwutz. 😉 ) Das kann JEDER Hund schaffen und lernen. Mit Zeit, Geduld, Verständnis und Übung ist alles zu meistern. Wir müssen unseren Hunden nur die Chance geben um zu Lernen. ❤️

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