Vom Fluch eines Hundes süß auszusehen…

Wir gehen spazieren… es überholt uns ein Pensionistenpaar. Sie bleiben stehen, erfreuen sich am niedlichen Aussehen meines Hundes und beugen sich runter um Leo die Hand entgegen zu strecken. Zeitgleich entgegne ich höflich, dass er es nicht mag von Fremden angegriffen zu werden. Sofort kommt die Frage: “Beißt er!?” Ich antworte: „Sicher KANN er beißen, er hat ja auch Zähne.“ Ein verdutzter Blick verrät mir: den Schmäh haben’s nicht kapiert. 😉 Dabei halte ich mich nur ans Prinzip im Sinne von: für blöde Fragen, gibts blöde Antworten. Ich lächle und erkläre dem Paar, dass Leo kein Interesse daran hat, von jedermann angegriffen zu werden, weil er es schlichtweg nicht mag. PUNKT.

Das zu respektieren fällt jedoch vielen schwer, muss ich erfahrungsgemäß leider dazu sagen. Das Gegenüber fühlt sich häufig persönlich angegriffen, weil JEDER Hund mag es ja gestreichelt zu werden. Oder aber es handelt sich um einen ach so großen Hundeversteher oder -flüsterer. Und genau DAS ist das Problem. Es ist mühsam sich immer wieder erklären oder gar rechtfertigen zu müssen. Besonders seit den Vorfällen im letzten Jahr. Es ist furchtbar in welche Richtung sich das entwickelt. Anfeindungen den Hunden und deren Menschen gegenüber – die Erfahrungsberichte im engeren Bekanntenkreis, als auch von TrainerkollegInnen zeichnen ein trauriges Bild.

Gegenseitige Achtsamkeit – das versuche ich meinen Kunden mit auf den Weg zu geben. Das heißt, sehe ich einen Radfahrer oder Jogger auf uns zukommen, rufe ich meinen Hund zu mir, setze ihn ab, beschäftige ihn oder wir weichen schlichtweg durch “Bogen gehen” aus. Egal ob er an der Leine oder im Freilauf ist. Mein Hund hat zwar kein Problem mit Passanten, allerdings möchte ich damit einfach vermitteln, dass wir sehr wohl achtsam sind und auf unsere Mitmenschen schauen. Zumal es ja auch Menschen gibt, die Angst vor Hunden haben. Doch leider sieht es vom Gegenüber meist anders aus und ich habe nicht immer das Gefühl, dass das auf Gegenseitigkeit beruht. Ich erlebe, dass Radfahrer sehr knapp an uns vorbei schneiden, sie plötzlich aus dem Nichts auftauchen oder etwa Jogger trotzdem ihr Tempo halten und ebenso knapp an uns vorbei laufen. Ähnlich verhält es sich mit Kindern (auch in Begleitung ihrer Eltern!), die an uns kreischend vorbei rennen oder mit ihrem Roller an gedüst kommen. Da sind die Eltern gefragt, die ihrem Nachwuchs vermitteln sollten, dass man sich bei Hunden anders verhält und zB vom Roller absteigt um diesen kurz zu schieben. Nicht jeder Hund ist solchen Situationen gewachsen oder braucht sich nur zu erschrecken. Auch Kinder können so etwas lernen. Es liegt nicht immer nur am Hund und dessen Halter. Und Überraschung: da schützt auch kein Maulkorb!

Zum Glück ist Hopfen und Malz noch nicht ganz verloren. Denn erst letzte Woche hat eine Läuferin auf einem schmalen Weg zunächst ihr Tempo reduziert und mir von weitem zugerufen, dass sie “eh nur an uns vorbeigeht”, was sie dann auch gemacht hat. Ich war so perplex, habe mich bedankt und wir haben uns gegenseitig angelächelt. So stell ich mir Begegnungen vor. Achtsamkeit, Gespür und ein bissl Hausverstand – mehr braucht es schlichtweg nicht! 😉

Langstreckenläufer Leo Wutz schaut auf mich und ich auf ihn. 😉 (c)dogtome

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