Weniger ist mehr.

„Wie kann ich meinen Hund denn noch beschäftigen?“ Ein Thema, das immer wieder beim Training zur Sprache kommt. Auf meine Gegenfrage, was denn alles mit dem Hund gemacht wird, folgt eine Reihe an Aktivitäten: „Wir gehen jeden Tag mit ihm in der Früh Laufen. Mindestens eine halbe, dreiviertel Stunde. Nach der Nachmittagsrunde spielen wir meistens ein bisschen Frisbee. Abends noch 1,5 Stunden spazieren oder in die Hundezone, damit er ja ausreichend Artgenossen trifft. Ach und so Denkspiele aus Holz haben wir auch, aber das kann er schon auswendig.“ Ich schaue etwas verdutzt drein und es wird gleich nachgeschossen. „Aber er ist trotzdem nicht ausgelastet, eher überdreht und will wohl noch mehr. Wenn wir ihm mal nicht unsere Aufmerksamkeit schenken, winselt er oder bellt uns an.“

Es sind nicht die ersten Hundebesitzer, die mit diesem Problem auf mich zu kommen. Sie wollen das Beste für ihren Hund. Es soll ihm an nichts fehlen. Er muss ja genug Bewegung bekommen, andere Hunde treffen und unterhalten werden. Oft wird von klein auf so ein Programm geliefert – frei nach dem Motto „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nicht mehr!“. Es wird mit dem Welpen fleißig geübt, damit der Grundgehorsam sitzt. Und ja möglichst viele Hunde treffen, weil der junge Hund sozialisiert werden muss. Zum wöchentlichen Fußballtraining der Kinder muss Hund auch mit und natürlich darf er beim Kinderspielplatz nicht fehlen – selbst dann wenn er da nicht rein darf, so wird er eben davor angebunden. Hauptsache der Hund ist überall dabei.

Ich weiß, viele Hundehalter meinen es nur gut. Doch sie bewirken mit solch’ einem Terminkalender, der von einem Manager sein könnte, das Gegenteil. Statt den Hund auszulasten, wird er ÜBERlastet. Und im Endeffekt sind wir Menschen damit überanstrengt, wenn wir dem Programm aus zeitlichen Gründen nicht nachkommen können. In Folge plagt das schlechte Gewissen oder eben der aufgedrehte Hund, der sein Programm einfordert.

Mentale Auslastung ganz nach Leo's Geschmack. (c)dogtome | www.dogtome.atDabei sollte die Devise wie folgt lauten: weniger ist mehr. Hunde brauchen keinen vollgepackten Stundenplan um glücklich und ausgelastet zu sein. Es müssen nicht unzählige Kilometer zurück gelegt werden um den Hund müde zu machen. Salopp gesagt, wird damit stattdessen die Kondition eines hündischen Spitzensportlers trainiert. Bei Welpen kann es fatale gesundheitliche Folgen haben, wenn sie während des Wachstums ihren Bewegungsapparat zu sehr belasten.

Natürlich brauchen Hunde Beschäftigung. In unserer ohnehin viel zu hektischen Welt ist es allerdings eher sinnvoll auf ruhige Tätigkeiten zu setzen. Nasenarbeit*, aber auch mentale Übungen mittels Tricktraining oder Intelligenzspielzeugen sind genau das Richtige für unsere Vierbeiner. Zur Verarbeitung brauchen unsere Vierbeiner dann auch noch reichlich Ruhe und Schlaf – bis zu 18 Stunden im Idealfall. Bei Welpen und Hundesenioren sind es sogar noch mehr mit 22 Stunden.

Schlafen ist gesund.Wie heißt es so schön auf wienerisch? 🙂 Samma si ehrlich! Ruhen und Entspannen tut auch uns Menschen gut. Wie herrlich ist das erst mit dem geliebten hündischen Wollknäuel an seiner Seite!? Insbesondere jetzt im Sommer: Füße hoch, im kühlen Bleiben oder das erfrischende Nass aufsuchen, Spaziergänge auf die frühen Morgen- oder späten Abendstunden reduzieren und zwischendurch nur kurz fürs schnelle Geschäft raus. Denn bei diesen Temperaturen darf es wirklich weniger sein… 😉

 

*Anm.: Eine wunderbare Form der Nasenarbeit biete ich zusammen mit meiner Kollegin Lily im Zuge des Kleingruppenkurses “Kleine Helden – große Taten” an. Neugierig geworden? Nähere Infos findet ihr unter Angebot / Kleingruppentraining oder ihr schreibt ein Mail an anna@dogtome.at 😉

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