Brustgeschirr – what else?

Die mich kennen, wissen welch’ großer Freund ich vom Brustgeschirr bin, dass ich ausschließlich ein solches für Leo verwende und Halsbänder ablehne. Ich erklär auch gerne, warum das so ist:
Der Hals und somit die Halswirbelsäule des Hundes ist, wie bei uns Menschen, ein sehr sensibler Bereich. Durch dieses kurze Stück zwischen Kopf und Brustwirbelsäule führen außerdem eine Reihe von wichtigen und schützenswerten anatomischen Strukturen: Speise- & Luftröhre, Kehlkopf, Muskeln, Lymphe,Arterien, Venen sowie Nervenbahnen. Aber auch die Schilddrüse befindet sich im Halsbereich.
Abgesehen davon, dass der Hund gewürgt wird, wenn Zug aufs Halsband kommt und all die eben genannten Strukturen darunter leiden, so hat dies auch gesundheitsschädigende Folgen für den gesamten Bewegungsapparat. Zur näheren Lektüre empfehle ich gerne den hier verlinkten Text von Hundetrainerin Clarissa von Reinhardt.

Doch nun zu einer persönlichen Geschichte, einer nach wie vor vom Brustgeschirr überzeugten Hundetrainerin: Letzte Woche wurde mir mal wieder bewusst, wie schnell es gehen kann und etwas passiert. Ich war mit meinem Hund Leo abends noch einen Runde spazieren. Es hatte abgekühlt und war recht windig, doch Leo war gut drauf und sauste abgeleint voller Freude in einem geschützten Bereich umher. Wir setzten uns schließlich auf eine Bank um noch etwas die Ruhe zu genießen und den Tag ausklingen zu lassen. In der Nähe erweckte eine dunkle Gestalt Leo’s Aufmerksamkeit, weshalb ich ihn sicherheitshalber anleinte. Es war ein Mann, der aus der Finsternis stapfte und an uns vorbei ging. Im gleichen Moment schlenderte ein junges Paar ebenso an uns vorbei, allerdings von der anderen Seite kommend. Leo blieb cool und beobachtete lediglich die Passanten. Plötzlich rief das Paar etwas und aus dem Nichts stürmte ein etwa kniehoher Hund an uns vorbei.
Im Affekt sprang Leo von der Bank um dem Hund hinterher zu laufen. Das Dumme an der Sache: die Leine hatte sich irgendwie an meiner Hand verheddert. Und zwar so, dass Leo einen heftigen Leinenruck kassierte und zwei meiner durch die Leine mitgerissenen Finger ziemlich schmerzten. Wir waren beide perplex und mussten uns kurz sammeln. Leo schien ok zu sein, er ging auch normal nach Hause. Mir tat das Ganze schrecklich leid, auch wenn ich es nicht hätte verhindern können. Dieses I-Tüpfelchen hatte uns an diesem Abend gerade noch gefehlt. Wie heißt’s so schön? Shit happens! Halbwegs erholt von dem Schreck, sagte ich mir nur: Wie gut, dass nicht mehr passiert ist.“ Das dachte ich jedenfalls…
Am nächsten Morgen beim Aufstehen bekamen wir die Rechnung präsentiert. Mein armer Hundemann konnte sich kaum bewegen. Als er sich aufsetzte, schaute er mich nur mit großen traurigen Hundeaugen an und hechelte schmerzerfüllt. An Gassigehen war nicht zu denken, Leo schaffte es nicht sich fortzubewegen. Beim Abtasten des oberen Rückens, im speziellen des Schulterbereichs und Leo’s Reaktion darauf, war klar: er hatte seinen Bewegungsapparat furchtbar verrissen. Ich griff zum Telefon und rief Leo’s Tierärztin an. Aufgrund der Schwellung vermutete sie sogar einen Muskelfaserriss! 🙁 Schmerztabletten, Traumeel, Infrarotlampe zum Bestrahlen, einigen Massagen, viel Ruhe & einer chiropraktischen Behandlung später, läuft mein Liebling wieder halbwegs rund. Es wird vermutlich noch ein bis zwei Wochen dauern, bis er wieder ganz fit ist. Die nächste Zeit ist jedenfalls Schonprogramm angesagt.

Worauf will ich mit dieser ewig langen Geschichte hinaus?
Ich weiß, selbst Brustgeschirre schützen nicht vor solch’ dummen Unfällen. So etwas passiert einfach. Schneller als man glaubt. Und man kann einfach nichts dagegen tun. Niemand ist davor gefeit. Doch ich möchte mir wirklich nicht ausmalen, was gewesen wäre, wenn Leo ein Halsband getragen hätte?

Die letzten Tage haben mir Kopfzerbrechen bereitet, weil ich natürlich auf dieses Thema sensibilisiert bin. Und es mir verstärkt auffällt, wie viele Hunde eigentlich am Halsband geführt werden. Nicht etwa locker lässig gehend, sondern zerrend. Permanentes Korrigieren des Hundehalters mittels Ruck an der Leine sind dann die Krönung. Das Herz tut einem weh, wenn man Hunde beim Spaziergang trifft, die im Akkord einen gewollten, absichtlich herbeigeführten Leinenruck von ihren Menschen abbekommen. Weil die Hunde etwa nicht schnüffeln dürfen, sie ihr telefonierender Mensch schlichtweg nicht wahrnimmt und wie ein lästiges Anhängsel neben sich herzieht und ungeduldig an der Leine reißt, wenn Hund nicht gleich reagiert. Das ist am Brustgeschirr freilich auch nicht besser, wenn auch ein wenig schonender, zumindest für den Halsbereich. Aber abgesehen davon, stell ich mir so auch keinen vernünftigen Spaziergang mit meinem Hund vor.
Es überkommt mich ein verständnisloses und teils grantiges Gefühl, wenn ich Rad fahrende Hundebesitzer sehe, die ihren Hund am Halsband oder einer Retriever-Leine mit zerren. Die Sinnhaftigkeit kann ich keinesfalls nachvollziehen und ich will’s auch nicht verstehen. Verantwortungslos finde ich so etwas.

Ich würde IMMER fürs Geschirr plädieren, es sei denn der Hund darf aus gesundheitlichen Gründen, wie beispielsweise nach einer frischen OP im Rückenbereich, keins tragen. Dann empfiehlt sich noch immer ein sehr breites, gepolstertes Halsband, aber das betrifft ja zum Glück nicht unbedingt jedermanns Hund. Gesundheit sollte also immer vor gehen. Daher finde ich das Argument „Ein Halsband sei schöner.“ auch nicht zulässig. Es wertet eine Hund nicht unbedingt optisch auf. Den Trend des modischen Accessoires kann ich also nicht nachvollziehen, macht für mich wenig Sinn und dem Hund ist’s außerdem eh wurscht. Im Freizeitmodus, also zu Hause, gefallen mir Hunde so ganz „nackt“ sowieso am besten. Und ich denke, es ist auch im Sinne unserer Hunde dann nichts zu tragen. Ist doch viel bequemer so. 😉

Die Moral aus der Geschicht‘? Ich möchte Hundehaltern und meinen Kunden einfach nur mitgeben, dass sie sich gut überlegen sollten, was sie für ihren Hund verwenden möchten. Gleichzeitig lege ich euch hiermit nahe, euch für ein gut sitzendes Brustgeschirr, das angenehm zu tragen und womöglich zusätzlich gepolstert ist, zu entscheiden. Am Besten ihr lasst euch von eurem Hundetrainer des Vertrauens beraten. Denn nicht jedes Geschirr, das im Handel erhältlich ist, ist auch empfehlenswert. Tut es Eurem Hund zu Liebe. 😉

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